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13. November 2009. Öffentlicher Vortrag von Marianne Schuller: Verinnerlichung. Zur Toplogie des Über-Ich

November 2nd, 2009

Öffentlicher Vortrag anlässlich der Eröffnung des Arbeitswochenendes des Psychoanalytischen Kollegs e.V. zum Thema »Die Einführung des Über-Ich« durch Freud

Veranstalter: Psychoanalystisches Kolleg e.V.

Prof. Dr. Marianne Schuller, Literaturwissenschaftlerin, in Kooperation mit Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini

Die Rede vom ›Über-Ich‹ scheint unlöslich verbunden mit Verbot und Untersagung. Das ›Über-Ich‹ ist wesentlicher Teil der zweiten Topologie (Ich – Über-Ich – Es), es ist Gegenstand der Kur wie es für kulturelle und gesellschaftliche Praktiken als grundlegend gedacht wird.

Die Fragestellung des Vortrags ist unter anderem entstanden aus der Lektüre von Freuds »Mann Moses und die monotheistische Religion«. In dieser Schrift hängt der »Fortschritt in der Geistigkeit« mit der »Verinnerlichung« zusammen.

Außerdem hat das ›Über-Ich‹ eine politische Karriere, die mit dem Stichwort ›antiautoritäre Bewegung‹ zu kennzeichnen ist. Wenn das Über-Ich nach Freud seine Wirkungen als eine ›verinnerlichte Instanz‹ des psychischen Apparates entfaltet, dann müssen ›Über-Ich‹ und ›Verinnerlichung‹ zusammen gedacht werden. Was aber heißt ›Verinnerlichung‹, zumal dieser Prozess von Freud auf sehr unterschiedliche Weise – als Introjektion und als Inkorporation – konzipiert wird? In diesen Horizont soll eine unsere Gegenwart betreffende Fragestellung gerückt werden. Es fragt sich, ob sich im Prozess der Verinnerlichung heute eine gewisse ›Kehrtwendung‹ abzuzeichnen beginnt: eine Kehrt-, bzw. Umwendung nach außen, in die Veräußerlichung. Wird eine solche ›Ausstülpung‹ Modifikationen der Subjektkonstitution bewirken, so sind damit politisch wirksame Effekte verbunden, denen auf die Spur zu kommen wir versuchen werden.

13. November 2009, 20 Uhr

Jüdischer Salon am Grindel e.V. (Veranstaltungsraum hinter dem Café Leonar), Grindelhof 59, 20146 Hamburg

Auskunft: Marianne Schuller, mail@marianne-schuller.de, Karl-Josef Pazzini, pazzini@uni-hamburg.de

Download der Akündigung:

vortrag_schuller_ueber_ich_13_11_09

Hamburg: Arbeitsgruppe zum Über-Ich (Fortsetzung)

August 27th, 2009

Mit: Karl-Josef Pazzini, Marianne Schuller u. a.

Innerhalb der Freudschen Lehre bildet das ›Über-Ich‹ einen wesentlichen der zweiten Topik (Ich – Über-Ich und Es). Es ist Gegenstand der Kur wie es von Freud als grundlegend für die kulturelle und gesellschaftliche Formierung entworfen wird. Nicht zuletzt hat es eine politische Dimension, sofern die antiautoritäre Bewegung die ›Abschaffung‹ des ›Über-Ich‹ als Emblem autoritärer Mechanismen zur Grundforderung gemacht hat. Das ›Über-Ich‹ ist janusköpfig: Wie zur Traditionsbildung beiträgt, so hat es in seiner fordernden Ansprüchlichkeit, der das Subjekt niemals gerecht zu werden vermag, auch eine obszöne Seite. Kurz: Die Frage nach dem ›Über-Ich‹ provoziert weit reichende Fragestellungen, die nicht nur von der Psychoanalyse aufgeworfen werden, sondern auch an die Psychoanalyse zu stellen sind.

Seit zwei Semestern gibt es eine sich an der Arbeit der Psychoanalyse nicht nur interessierte, sondern beteiligende Gruppe, die sich forschend, im Sinne einer gemeinsamen Denkanstrengung, mit der Frage des Über-Ich beschäftigt. Gewinnt diese gemeinsame Denkanstrengung durch ein (im psychoanalytisch verbindlichen Sinn) Aufeinander-Hören an Lebendigkeit und Intensität, so ist der Wunsch aufgetaucht sich Gehör zu verschaffen, das .heißt.: Die Gruppe plant für Frühjahr 2011 eine Tagung, in die sich die gemeinsame Arbeit übersetzen soll.

Literatur:

  • Sigmund Freud, Die Verneinung
  • ders., Trauer und Melancholie
  • ders.,  Das Ich und das Es.
  • ders., Das Unbehagen in der Kultur
  • ders., Neue Folge der Einführung in die Psychoanalyse (1932), XXII. Vorlesung.

Beginn: Montag, 25. Okt 2010, 20h, in 14-tägiger Folge.

Ort: Jüdischer Salon, Café Leonar, Gindelhof 59 (”Denkraum” hinter dem Café Leonar)