Öffentlicher Vortrag anlässlich der Eröffnung des Arbeitswochenendes des Psychoanalytischen Kollegs e.V. zum Thema »Die Einführung des Über-Ich« durch Freud
Veranstalter: Psychoanalystisches Kolleg e.V.
Prof. Dr. Marianne Schuller, Literaturwissenschaftlerin, in Kooperation mit Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini
Die Rede vom ›Über-Ich‹ scheint unlöslich verbunden mit Verbot und Untersagung. Das ›Über-Ich‹ ist wesentlicher Teil der zweiten Topologie (Ich – Über-Ich – Es), es ist Gegenstand der Kur wie es für kulturelle und gesellschaftliche Praktiken als grundlegend gedacht wird.
Die Fragestellung des Vortrags ist unter anderem entstanden aus der Lektüre von Freuds »Mann Moses und die monotheistische Religion«. In dieser Schrift hängt der »Fortschritt in der Geistigkeit« mit der »Verinnerlichung« zusammen.
Außerdem hat das ›Über-Ich‹ eine politische Karriere, die mit dem Stichwort ›antiautoritäre Bewegung‹ zu kennzeichnen ist. Wenn das Über-Ich nach Freud seine Wirkungen als eine ›verinnerlichte Instanz‹ des psychischen Apparates entfaltet, dann müssen ›Über-Ich‹ und ›Verinnerlichung‹ zusammen gedacht werden. Was aber heißt ›Verinnerlichung‹, zumal dieser Prozess von Freud auf sehr unterschiedliche Weise – als Introjektion und als Inkorporation – konzipiert wird? In diesen Horizont soll eine unsere Gegenwart betreffende Fragestellung gerückt werden. Es fragt sich, ob sich im Prozess der Verinnerlichung heute eine gewisse ›Kehrtwendung‹ abzuzeichnen beginnt: eine Kehrt-, bzw. Umwendung nach außen, in die Veräußerlichung. Wird eine solche ›Ausstülpung‹ Modifikationen der Subjektkonstitution bewirken, so sind damit politisch wirksame Effekte verbunden, denen auf die Spur zu kommen wir versuchen werden.
13. November 2009, 20 Uhr
Jüdischer Salon am Grindel e.V. (Veranstaltungsraum hinter dem Café Leonar), Grindelhof 59, 20146 Hamburg
Auskunft: Marianne Schuller, mail@marianne-schuller.de, Karl-Josef Pazzini, pazzini@uni-hamburg.de
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