Veranstalter: Freud-Lacan-Gesellschaft – Psychoanalytische Assoziation Berlin (FLG)
S. Freud über »die therapeutischen Bemühungen der Psychoanalyse«, in: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1932): »Ihre Absicht ist ja, das Ich zu stärken, es vom Über-Ich unabhängiger zu machen, sein Wahrnehmungsfeld zu erweitern und seine Organisation auszubauen, so daß es sich neue Stücke des Es aneignen kann. Wo Es war, soll Ich werden. Es ist Kulturarbeit etwa wie die Trockenlegung der Zuydersee.«
Gastvortrag des Historikers Philipp Sarasin (Zürich):
»Charles Darwin als Theoretiker des Kulturellen«
Vorträge und Gesprächsrunden von Mitgliedern der Freud-Lacan-Gesellschaft: Katrin Becker • Johanna Bossinade • Robin Cackett • Jean Clam • Frank Grohmann • Tanja Jankowiak • Maria Kreutzer • Hannelore May • Achim Perner • Claus-Dieter Rath • Bernhard Schwaiger • Cornelius Tauber • Ilsabe Witte
Die Vorträge und Gespräche behandeln folgende Themen: Kulturarbeit und Witz • Die Kulturarbeit des Karikaturisten • Trieb und Geist • Hyperkultur • Dora • Politik und Psychoanalyse • Über das Wohnen • Der Entwurf • Über das Niedrige • Unica Zürn und ihre Anagramme • DDR in der Literatur • Talking Cu(ltu)re • Kulturprozess, Kulturarbeit, psychoanalytische Arbeit
Film von Joris Ivens (1933) über die Trockenlegung der Zuydersee »Nieuwe Gronden« (»New Earth«).
Zwischen 1900 und 1932 gebraucht Sigmund Freud mehrfach den Begriff »Kulturarbeit«: in der Traumdeutung (1900) fällt sie mit der Vertreibung aus dem Paradies und dem Beginn des Geschlechtslebens zusammen, in Die »kulturelle« Sexualmoral und die moderne Nervosität (1908) mit dem Triebschicksal »Sublimierung«, in Die Zukunft einer Illusion und Das Unbehagen in der Kultur (1927/1929) hat sie wesentlichen Anteil an der gegenseitigen Bindung der Mitglieder einer Gesellschaft, 1932 schließlich, in seiner Vorlesung über Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, bringt Freud sie ins Bild der Trockenlegung der Zuydersee, verbunden mit dem – sehr unterschiedlich interpretierten – Satz »Wo Es war, soll Ich werden«.
Die Freudsche »Kulturarbeit« passiert in einer psychoanalytischen Kur; dieser Begriff unterscheidet sich also von seinem heute gängigen Verständnis einer Kulturvermittlung an bestimmte Bevölkerungsgruppen. Zugleich sind die konkrete historische Subjektivität, die Strukturierung der Psyche sowie das Entstehen der Psychoanalyse und der psychoanalytischen Kur selbst Resultat von Kulturarbeit.
Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen:
- Sigmund Freud (1930 [1929]): Das Unbehagen in der Kultur (bes. Kap. IV: GW XIV, S. 458–465; SA IX, S. 229-236).
- Sigmund Freud (1933 [1932]): »Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit.« (=31.Vorlesung der Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GW XV, S. 62–86; SA I, S. 496–516).
- Georg Groddeck (1923): Das Buch vom Es. Psychoanalytische Briefe an eine Freundin. Frankfurt/Basel (Stroemfeld) u. andere Editionen.
- Michael Jaeger (2008): Global Player Faust oder: Das Verschwinden der Gegenwart. Zur Aktualität Goethes. Berlin (WJS Verlag).
- Jacques Lacan (1955): Das Freudsche Ding oder der Sinn einer Rückkehr zu Freud in der Psychoanalyse, bes. Kap. »Die Ordnung des Dings«, Wien (Turia + Kant) 2006, S. 32–40. (Original: La chose freudienne ou Sens du retour à Freud en psychanalyse, Kap. »L‘ordre de la chose«. In: Écrits, S. 414–418.)
- Jacques Lacan (1959/60): Die Ethik der Psychoanalyse. Seminar VII. Weinheim (Quadriga).
- Philipp Sarasin (2009): Darwin und Foucault. Genealogie und Geschichte im Zeitalter der Biologie. Frankfurt a.M. (Suhrkamp).
5. und 6. Dezember 2009
Akademie der Künste, Berlin-Tiergarten (Hanseatenweg 10)
Das Kongressprogramm wird Ende September verschickt.
Bitte beachten Sie auch unsere Internet-Seite unter: www.freud-lacan-berlin.de
Teilnehmerbeitrag:
bei Bezahlung bis 1. Oktober 2009 € 85, danach € 110.
(In diesem Preis ist ein Büfett am Samstagabend enthalten.)
Zahlbar per Scheck (in € ausgestellt) oder per Überweisung
für »Kongress/Rath« mit Vermerk »Tagung«
Konto Nr. 57 97 17 – 107, Postbank Berlin, BLZ 100 100 10
Codes für elektronische Überweisungen:
IBAN: DE09 1001 0010 0579 7171 07, BIC: PBNKDEFF
Fortbildungspunkte:
Die Zertifizierung durch die Psychotherapeutenkammer Berlin wird beantragt.
Anmeldung auf elektronischem Wege über die Homepage der FLG www.freud-lacan-berlin.de oder mit Anmeldeformular:
Kongress-Sekretariat, c/o Rath, Niebuhrstr. 77, D-10629 Berlin, Fax 030 883 37 37, Tel. 0160 658 33 40 (Mailbox), E-Mail: Diskurserfahrung@aol.com