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Berlin: Öffentliches Seminar: Warum Zuydersee? Freudsche »Kulturarbeit« und die Psychoanalytische Kur. Wie wir heute Psyche behandeln

Juli 29th, 2009

Veranstalter: FLG – Freud-Lacan-Gesellschaft, Berlin /
AFP – Assoziation für die Freudsche Psychoanalyse

Leitung: Claus-Dieter Rath, Berlin

Zwischen 1900 und 1932 gebraucht Sigmund Freud mehrfach den Begriff »Kulturarbeit«: in der Traumdeutung (1900) fällt sie
mit der Vertreibung aus dem Paradies und dem Beginn des Ge-
schlechtslebens zusammen, in Die »kulturelle« Sexualmoral und die moderne Nervosität (1908) mit dem Triebschicksal »Sublimie-rung«, in Zukunft einer Illusion und Das Unbehagen in der Kultur (1927/1929) hat sie wesentlichen Anteil an der gegenseitigen Bindung der Mitglieder einer Gesellschaft, 1932 schließlich, in
seiner Vorlesung über Die Zerlegung der psychischen Persönlich-keit, bringt Freud sie ins Bild der Trockenlegung der Zuydersee, verbunden mit dem – sehr unterschiedlich interpretierten – Satz »Wo Es war, soll Ich werden«.
Die Freudsche »Kulturarbeit« passiert in einer psychoanalytischen Kur; dieser Begriff unterscheidet sich also von seinem heute gängigen Verständnis einer Kulturvermittlung an bestimmte Bevöl-
kerungsgruppen. Zugleich sind die konkrete historische Subjekti-vität, die Strukturierung der Psyche sowie das Entstehen der Psychoanalyse und der psychoanalytischen Kur selbst Resultat
von Kulturarbeit.

In dem Seminar wird die Lektüre dieser Freudschen Texte verknüpft mit klinischen, metapsychologischen, kulturhistorischen und politischen Untersuchungen zu Fragen wie:
Historische Subjektivität. Objektive und subjektive Kultur (deren Dialektik Georg Simmel in einem der letzten Kapitel seiner 1900 erschienenen Philosophie des Geldes entwickelt).
Wie wird Psyche behandelt – d.h. konzipiert, gedacht, und auf sie eingewirkt? An welchen Zielen orientieren sich die Psychoana-lyse und unterschiedliche Psychotherapien? Sublimierung als Wert.
Funktion der 1932 einsetzenden Trockenlegung der Zuyder-
see für Freuds Metaphorik. Vergleich mit anderen Großprojek-ten jener Zeit: Elektrifizierung der Sowjetunion, Bonifica der Pon-tinischen Sümpfe, Tennesee Valley Authority, Reichsautobahn (vgl. Wolfgang Schivelbusch: Entfernte Verwandtschaft: Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal 1933–1939).
Kulturelle und politische Funktionszuweisungen an die Psycho-
analyse (als Teil der psychohygienischen Versorgung, zur Repro-duktion der Arbeitskraft, …)
Die Psychoanalyse und Michel Foucaults Konzept der »Sorge um sich« (souci de soi; Sexualität und Wahrheit, Bd. 3).

Nächste Termine (jeweils Samstag, 17–19 Uhr):
22. August, 5. September, 10. Oktober, 7. November 2009

Maison de France Berlin (4. Stock), Kurfürstendamm 211
(Ecke Uhlandstraße).

Kontakt: Claus-Dieter Rath, Niebuhrstr. 77, 10629 Berlin,
Tel. 030 881 91 94, Seminarhandy mit Mailbox: 0160 658 33 40, E-Mail: RathCD@aol.com

Hinweis: Am 12./13. September 2009 findet in Berlin ein ge-meinsames Arbeitswochenende der AFP und FLG zum Thema: »Dimensionen der Freudschen ›Kulturarbeit‹ und die Aufgaben psychoanalytischer Organisationen« statt.
Am 5./6. Dezember 2009 findet in Berlin
ein gemeinsamer Kongress der AFP und
der FLG statt: »Wo es war. Freudsche
Kulturarbeit und die psychoanalytische
Kur heute.«
Näheres hierzu S. 31ff. des Programms.
Seminar
Was in der psychoanalytischen Kur wirkt

Veranstalter: FLG – Freud-Lacan-Gesellschaft, Berlin,
AFP – Assoziation für die Freudsche Psychoanalyse

Leitung: Claus-Dieter Rath, Berlin

Anhand einiger Texte und eigener Erfahrungen mit der psychoanalytischen Kur werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie
es kommt, dass eine Psychoanalyse zu Veränderungen in der Libi-
doökonomie, der Stellung zum Anderen u.a. führt, und worin konkret das Wirken und dier Wirkung einer Psychoanalyse be-steht.

Ausgangspunkt ist das von vier Analytikern unterschiedlicher Orientierung verfasste Buch Ce qui est opérant dans la cure. Des psychanalystes en débat, Édition érès 2008. Es ist Ergebnis eines mehrjährigen Austauschs zwischen den Autoren (Lina Balestriere, Jacqueline Godfrind, Jean-Pierre Lebrun, Pierre Malengreau). Jeder von ihnen stellt seine persönlichen Auffassungen von dem, was in der Kur wirkt, dar, gefolgt von einer ausführlichen Diskussion mit den Koautoren. Sie setzen sich dabei auch mit neuen Leiden und neuartigen Anfragen an den Analytiker auseinander.

Einzelne Passagen werden ins Deutsche übersetzt, so dass Französischkenntnisse nicht unabdingbar sind.

Etwa alle vier Wochen, jeweils samstags 17–19 Uhr
Beginn: 16. Januar 2010
Maison de France Berlin (4. Stock), Kurfürstendamm 211 (Ecke Uhlandstraße).

Kontakt: Claus-Dieter Rath, Niebuhrstr. 77, 10629 Berlin,
Tel. 030/881 91 94, Seminar-Handy mit Mailbox:
0160 / 658 33 40, E-Mail: RathCD@aol.com