Veranstaltung im Rahmen der Reihe Psychoanalyse und Judentum
Veranstalter: Jüdischer Salon am Grindel e.V. in Kooperation mit der AFP
Einführung und Moderation: Karl-Josef Pazzini
Der Vortrag geht der Beobachtung auf den Grund, wonach Heines Werk von einer Poetik der Affektbefreiung getragen wird, und beschreibt auf dieser Voraussetzung, dass der Dichter nicht nur die Bedeutung für Freud gehabt hat, ihm in seinen Traum- und Witzstudien mit einigen dutzend Beispielen dienlich gewesen zu sein, sondern dass er eine noch unerkannte, eigenständige Rolle in der Vorgeschichte der Psychoanalyse spielt. Das hat Freud gewusst, aber im antisemitischen Klima der Zeit auch zu tarnen gewusst. Konkret wird vorgetragen, wie Heines literarische Arbeit an den Affekten (und an ihren Quellen im Unbewussten) Freuds Selbstkritik seit etwa 1915, wonach auf die Mechanismen der Verdrängung nicht mehr »allzu ausschließlich« zu setzen sei, vorweggenommen, und wie er in dieser kritischen Augenhöhe zu Freud seine Poesie als Argument in den Theorie-Streit um Macht und Ohnmacht bewußter Affektkontrollen in der Epoche der Shoah eingeschrieben habe. Dies wird über eine Reihe von Aspekten entfaltet.
Sonntag, 16. Mai 2010, 11 Uhr
Jüdischer Salon am Grindel e.V., Grindelhof 59, 20146 Hamburg (hinter dem Café Leonar)