Archive for the ‘Vergangene Veranstaltungen’ Category

9. April 2010: Was ist ein psychoanalytischer Akt? Zu Eric Laurents »Leitende Prinzipien für jeden psychoanalytischen Akt«

Februar 4th, 2010

Leitung: Avi Rybnicki, Gerhard Zenaty

9.4.2010, 20 Uhr

IWK – Institut für Wissenschaft und Kunst, Berggasse 17, 1090 Wien

Teilnahmevoraussetzungen: für Mitglieder und Interessenten des »Feldes«

Interessenten können sich bei G. Zenaty  (gzenaty@gmx.at) oder A. Rybnicki (rybnicki@zahav.net.il) melden.

Veranstalter: Neues Lacansches Feld Österreich

Informationen zum »Neues Lacansches Feld Österreich« können unter der Internetadresse www.lacanfeld.at abgerufen werden.

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Arbeitsfeld »Kunst und Psychoanalyse« im Rahmen von textur a, Freud-Lacan-Gruppe, Köln

August 27th, 2009

Regelmäßige Treffen zu verschiedenen Feldern der Kunst (zuletzt war ein Schwerpunkt: Film und Psychoanalyse)

Veranstaltungsort:

Atelier Karin Schlechter/Schule des Begehrens, Neusser Straße 569, 50737 Köln.

Ansprechpartner und Leitung:

Karin Schlechter (k.schlechter@arcor.de), Klaus Findl (nc-findlkl@netcologne.de)

24. April 2010: Regula Schindler: »Symbolische Mutter, realer Vater«

Februar 5th, 2010

Vortrag im Rahmen der Reihe »Sechs  Vorträge zu Geneviève Morels Buch  Das Gesetz der Mutter (La loi de la mère)«, 24. April 2010

Ort: Institut Français de Vienne, Währinger Straße 30, 1090 Wien

Beginn: 14 Uhr

Dauer: ca. 3,5 Stunden

Eintrittspreis: 20,00 € (Ermäßigungen für Studenten etc. an der Tageskasse möglich)

Einschreibung: Die Anmeldung ist wünschenswert unter: perez-valverde@utanet.at.

Nähere Informationen bei: Marta Pérez Valverde, perez-valverde@utanet.at. Tel.: 01 / 512 71 77

Büchertisch: Apunkt, Bücherhandlung Brigitte Salanda, Fischerstiege 1-7, 1010 Wien

Geneviève Morels Buch Das Gesetz der Mutter (Paris, 2008) hat in Frankreich, aber auch im deutschen Sprachraum, eine bemerkenswerte Anzahl anspruchsvoller Leser gefunden. Sie erkennen in ihm einen Durchbruch in der Theorie und in der Klinik der Psychoanalyse. Er geht von einer gründlichen und werktreuen Lektüre der späten Schriften und Seminare Jacques Lacans aus. Die Autorin erklärt dessen oft schwierige Begriffe, Argumente und topologische Figuren, Ein reiches klinisches Material zeigt, dass dieser Zugang der Analytikerin bei ihrer Arbeit im Unbewussten schöpferisch geholfen hat.

Als Lacan im Jahre 1958 seine Vatermetapher niederschrieb, gab er dem Vater die Funktion, das Begehren der Mutter seinem Kind gegenüber zu deuten, also die Dunkelheit dieses Begehrens dem Kind zu erhellen.  Der Vater war somit der Garant gegen die Gefahr, dass  die Mutter ihr Kind mit allen ihren unerfüllten Wünschen besetzte, und es damit bis zum Wahnsinn überforderte. Traten bei dem Kind trotzdem Symptome hervor, so galt der Vater eben als schwach, abwesend, impotent oder gedemütigt. Funktionierte er gar nicht, so nahm man an, dass das junge Subjekt den Name-des-Vaters verworfen hatte, eine Verwerfung, welche seine Psychose zur Folge hatte. Der Vater war also der Repräsentant des  Gesetzes und was von seinem Gesetz abwich, musste zu einem mehr oder weniger schweren Symptom führen. Von dieser vom Vater dominierten Sicht nahm  Lacan schon bald Abstand. Seine Erfindung des Objekts a, dessen Vorläufern die Teilobjekte Abrahams, Kleins und das Übergangsobjekt Winnicotts sind, weisen den Phallozentrismus der Vatermetapher in die Schranken. Die Stimme ist eines dieser neuen Objekte; und die erste Stimme, die ein Kind hört, kommt ja meist von der Mutter.

Geneviève Morel geht nun aber von einer  noch späteren Epoche in Lacans Theorienbildung aus, jener der Jahre 1973 bis 1978. Sie vergisst aber keineswegs die Lehre der Fünfziger-Jahre. Im Gegenteil, sie zeigt, wie fruchtbar diese bleibt, wenn man die Neuerungen der Siebziger-Jahre ernst nimmt. Was ändern diese in Geneviève Morels Darstellung ?

Die Vatermetapher verspricht eine perfekte Übersetzung der für das Kind ziemlich rätselhaften Sprache der Mutter, die aus den Zeichen ihrer An- und Abwesenheit, ihrem »fort/da«, besteht, in eine für das Kind sinnvolle  Kommunikation. Sofern der Vater seine Funktion erfüllt, bringt er die Mutter dazu, dem Kind anzuzeigen, was sie will : den Phallus des Vaters und nicht das Kind als Phallus.

Geneviève Morel weist nun darauf hin, dass eine Mutter viel mehr tut, als nur für das Kind fort- und da zu sein, um ihm damit zu verstehen zu geben,  dass sie auch einen Mann hat, den sie liebt. Worin besteht dieses ‘mehr’?

Sie spricht mit ihrem Kind ab seiner Geburt, das heißt bevor es noch ihre Sprache  verstehen kann ; sie sagt ihm sogar viel Krudes, was aus der symbolischen Ordnung des Namens-des-Vaters herausfällt. Sie lässt ihr Kind an ihrem Genießen teilhaben, ohne dass man sagen könnte, sie übertrete damit das Inzestverbot. Diese oft unbewusste Einweihung des Kindes in das Genießen  verläuft nicht nur über die Kindespflege sondern auch über das mütterliche Lallen und Sprechen,  das manchmal sehr sinnliche Formen annimmt. Die mütterlichen Äußerungen überfluten das Kind, reizen es, ohne dass der Vater es gegen diese sprachlichen Reize abschirmen könnte. Zusätzlich enthält das mütterliche Sprechen, wie jedes andere auch, Zweideutigkeiten, die das Kind für sein ganzes Leben prägen werden, weil ihm diese Äquivoke bei ihren ersten Äußerungen völlig unverständlich blieben.

Wenn sich erweisen lässt, dass diese Zweideutigkeiten einen direkten Einfluss auf das Leben des Subjekts und seine Sexualität (seine Objektwahl) ausüben, spricht Geneviève Morel, vom »Gesetz der Mutter«. Sie will mit diesem archaischen Gesetz jedoch keineswegs das symbolische Gesetz ersetzen.

Selbst so große Kinderanalytiker wie Klein und Winnicott haben die klinischen Wirkungen dieser Einflössung von Mutters Sprache  nicht erfasst, denn sie beschränken die Aktion der Mutter auf die Kundgebung ihrer Liebe und deren Versagung. (Bei Winnicott: die Funktionen der good enough mother).

Selbst wenn der Vater und seine Metapher voll zur Wirkung kommen, wird das Kind  mit einer Sprache zu tun haben, in der das Genießen der Mutter mitfliesst. Das heißt aber auch, dass jedes Subjekt von  Sprechweisen determiniert wird, in denen nicht nur ein Geschlecht und ein Diskurs vorherrschen. Die Ablösung des mütterlichen Begehrens durch eine scheinbar vom Vater gehaltene rationale Rede ist eine beruhigende theoretische Fiktion, die der Wirklichkeit fremd bleibt.

Um auf die zweideutigen Ausdrucksformen des mütterlichen Genießens Antwort zu finden, darf das Kind nicht allein auf die väterliche Norm vertrauen. Der diesen Sprachphänomen selbst unterworfene Vater kann das Gesetz nur vertreten, wenn er seinem Kind gegenüber als ein durch Liebe privilegiertes Symptom funktioniert. Das Kind kann sich von der Beherrschung durch die mütterliche Rede nicht einfach dadurch befreien, dass es dem Vater gehorcht und die Kastration akzeptiert. Im Laufe seines heranreifenden Lebens muss es zu dieser Befreiung selbst beitragen. Es wird im besten Fall etwas entwickeln, das Lacan mit einem mittelalterlichen Wort « Sinthom»  nennt. Dieses Gebilde hat es von den Folgen  der Überflutung durch das mütterliche Genießen schützen, indem es die zweideutigen sprachlichen Träger dieses Genießens zu seinem eigenen Gebrauch und Gunsten  verwandelt. Gelingt diese Metamorphose dem Subjekt nicht, so kann es sich an eine(n) Psychoanalytiker(in) wenden, damit der (oder die) ihm bei dieser schöpferischen Symptombildung hilfreich zur Seite stehe.

Sechs Vorträge sollen nun zeigen, dass dieser theoretische und klinische Durchbruch Geneviève Morels von anderen Psychoanalytikern weiter vorangetrieben werden kann.

Regula Schindler: »Symbolische Mutter, realer Vater«

Ist die »symbolische Mutter« ein Auslaufmodell? Diese frühe Setzung Lacans (1957/58 im Seminar IV »Relation d’ objet«) mag im späteren Werk nicht mehr als solche auftauchen, behält jedoch ihre Gültigkeit schon insofern, als sie die in manchen Kreisen stets noch virulente Zuordnung Vater =symbolischer Agent, Mutter = real/imaginäre Agentin, sprich »Krokodil«, verbietet.

Wir werden das Schema »Frustration/Privation/Kastration«, wo die Mutter als symbolische  Agentin der realen Frustration/Versagung auftaucht (Sem. IV, 6. 2.1957) als Vorläufer-Modell des Knotens R/S/I lesen, und das Schicksal dieser symbolischen Agentin, und ihres Kumpans, des »realen Vaters«, weiterverfolgen: im Spätwerk Lacans  (Sem. RSI, Le Sinthome), in ausgewählten literarischen Texten, in Fallbeispielen aus der Praxis.

Regula Schindler, lic. phil. I Anglistik/Germanistik,  psychoanalytische Praxis in Zürich seit 1970, Ausbildung am PSZ, 1989-91 in Paris, Mitglied der ALI, Ex-Präsidentin des Lacan Seminars Zürich, zahlreiche Vorträge und Artikel zu Praxis und Theorie der Psychoanalyse, und zu ihren Verbindungen mit Kunst, Literatur, Psychiatrie, unter anderem in RISS, Zeitschrift für Psychoanalyse, Zürich. Ein früher Artikel zu unserem Thema, basierend auf einem Vortrag in Bruxelles im Rahmen der ALI, ist in RISS Nr 17, Juni 1991, erschienen.

Download des gesamten Programms der Vortragsreihe als PDF:

gesetz_der_mutter_vortraege